Grundwasserverunreinigungen durch tertiär-Butyl-Alkohol (TBA)
- Migrationsverhalten im Grundwasser und Verfahren zur Sanierung -
Hans Dieter Stupp, Albrecht Bakenhus, Ralph Stauffer, Dietmar Lorenz
1. Einleitung
MTBE (Methyl-tert.-Butyl-Ether) ist derzeit in der BRD das wichtigste Benzinadditiv. Das in den letzten Jahren zusammengetragene Wissen um die ubiquitäre Verbreitung von MTBE in den verschiedenen Umweltkompartimenten hat allgemein die Diskussion über die sauerstoffhaltigen Benzinkomponenten in Bewegung gebracht. Die Verwendung von Oxygenaten [1] als Kraftstoffadditiv führt zu Verbesserungen der Benzinqualität (sog. Oxyfuels - sauerstoffhaltige Benzine). Zum einen wird die Verbrennung der Kraftstoffe optimiert, indem die Gehalte schädlicher Komponenten in KFZ-Abgasen reduziert werden (Benzol, Ozon, NOX und CO). Die zweite positive Wirkung besteht in der Verbesserung der Klopffestigkeit des Kraftstoffs (Erhöhung der Oktanzahl).

Abbildung 1:
Maximale Gehalte von Oxygenaten in Benzinen gemäß EG-Richtlinie 98/70 des Europäischen Parlaments und Rates vom 13. 10. 1998
Neben den Vorteilen, die diese Verbindungen für die Verbesserung der Luftqualität besitzen, können nachteilige Wirkungen für das Grundwasser dann entstehen, wenn Benzininhaltsstoffe in das Grundwasser gelangen. Zwischenzeitlich sind eine Reihe von Grundwas-serverunreinigungen durch MTBE bekannt geworden. In diesem Kontext ist das Auftreten von tertiär-Butyl-Alkohol [2] (TBA) als wichtiges mikrobielles Abbauprodukt des MTBE von Interesse. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Bedeutung der Oxygenate als Benzinadditive in den nächsten Jahren noch stark zunehmen wird. Dies hängt in erster Linie mit der für Europa beschlossenen Absenkung der Aromatengehalte auf unter 35 % zusammen [3]. Damit ist zwangsläufig eine Steigerung der Anteile der Oxygenate verbunden, da nur diese die notwendige Klopffestigkeit der zukünftigen Benzine sicherstellen können. Die ab dem 01. 01. 2005 geltenden Richtlinien für die Gehalte von Oxygenaten in Benzinen sind in der Abbildung 1 zu entnehmen. Durch die MTBE-Grundwasserschäden ist auch die Kenntnis über das Verhalten von TBA im Boden und Grundwasser gewachsen. Über die Grundlagen des Stoffverhaltens von TBA im Untergrund und die aus der Bearbeitung von Grundwasserschadenfällen gewonnenen Felderfahrungen soll anschließend berichtet werden.
2. Stoffeigenschaften und Toxikologie
Die wichtigsten physikalisch-chemischen Daten von TBA sind zusammen mit denen von Benzol und MTBE in der Tabelle 1 zusammengestellt. Die zur Stoffgruppe der Alkohole gehörende Flüssigkeit ist farblos und besitzt einen Siedepunkt von 83°C. Der hohe Schmelzpunkt von 25°C bedingt, dass TBA in reiner Form bei Raumtemperatur einen Feststoff in Form von weißen Kristallen bildet. Dagegen liegt TBA in unreiner Form bei Raumtemperatur als Flüssigkeit vor. Der Dampfdruck ist um annähernd den Faktor 7 niedriger als der von MTBE (Abbildung 2). Der log KOW-Wert (Verteilungskoeffizient zwischen Oktanol und Wasser) beträgt ca. 0,35 und der log-KOC-Wert liegt bei 1,57 (Abbildung 3). TBA besitzt eine Dichte von 0,79 g/cm3 und eine sehr niedrige Henry-Konstante von ca 0,0005 (Abbildung 4). Die herausragende Eigenschaft für die Auswirkung auf das Grundwasser besteht in der Mischbarkeit mit Wasser.

Abbildung 2.:
Dampfdruck von organischen Verbindungen Angaben für 20 °C in Pasca1.
 
 
 
 
  
 
Abbildung 3:
KOC-Werte von organischen Verbindungen Daten in ml/g
Zur toxikologischen Bewertung von TBA im Hinblick auf eine mögliche Gesundheitsgefährdung für den Menschen liegen keine verlässlichen Daten vor. Es existieren lediglich Daten aus Tierversuchen (z. B. Ratten, Kaninchen, Fische), die jedoch nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragbar sind.
Tabelle 1: Chemisch-physikalische und umweltrelevante Daten von MTBE und TBA
|
Eigenschaften |
Benzol |
MTBE |
TBA |
|
Schmelzpunkt (°C) |
5,5 |
-108,6 |
25 |
|
Siedepunkt (°C) (1013 hPa) |
80,1 |
55,3 |
82,9 |
|
Flammpunkt (°C) |
-11,1 |
-28 |
11 |
|
Dichte (g/cm3) (20 °C) |
0,87 |
0,74 |
0,79 |
|
Wasserlöslichkeit bei 20 °C (mg/l) |
1.780 |
50.000 |
unbegrenzt |
|
Dampfdruck (Pa bei 20°C) |
10.100 |
27.000 |
4.070 |
|
Henry-Konstante bei 20°C |
1 |
0,017 |
0,0005 |
|
log KOC |
1,58 |
1,08 |
1,57 |
|
log KOW |
2,12 |
1 |
0,35 |
|
Wassergefährdungsklasse |
3 |
1 |
1 |
Zusammenfassend kann die toxikologische Bewertung von TBA wie folgt charakterisiert werden.
- Wie andere organische Lösemittel wirkt TBA in hohen Dosierungen in reiner Form narkoseartig und reizend auf Auge und Haut. Bei lang andauernder Aufnahme in hohen Dosierungen wurden bei Tierversuchen Schädigungen des Harntraktes beobachtet [4].
- TBA wirkt nicht mutagen.
- Bei Versuchen mit sehr hohen oralen TBA-Zugaben wurden Hinweise auf kanzerogene Wirkungen bei Ratten und Mäusen festgestellt. Jedoch ist TBA nach IARC in Kategorie 3 eingestuft. Damit wird TBA wie folgt bewertet: „Nicht einstufbar als kanzerogen für den Menschen".
Damit ist die derzeitige TBA-Einstufung sehr ähnlich der von MTBE.
3. Verhalten von TBA in Boden und Grundwasser
Grundsätzlich kann das Auftreten von TBA im Grundwasser folgende Ursachen haben:
- TBA kann ein primärer Bestandteil von Benzinen sein. Nach den heutigen Richtlinien kann der TBA- Gehalt von Benzinen bis zu 7 Vol. % betragen.
- TBA ist das erste mikrobielle Abbauprodukt von MTBE im Boden/Grundwasser.

Abbildung 4:
Henry-Konstanten von organischen Verbindungen

Abbildung 5:
Wasserlöslichkeit von organischen Verbindungen Angaben in mg/l
- TBA kann durch chemische Hydrolyse aus MTBE entstehen. Da hierfür jedoch sehr niedrige pH-Werte gegeben sein müssen, wird dieser Prozess nur in Ausnahmefällen von Relevanz sein.
- Die wichtigsten Eigenschaften von TBA sind zusammen mit den Daten anderer häufig auftretender Kontaminanten in den Abbildungen 2 bis 5 vergleichend gegenüber gestellt. Zusammenfassend kann das Umweltverhalten von TBA folgendermaßen beschrieben werden.
- TBA besitzt mit ca. 4.000 Pa (20 °C) einen Dampfdruck, der etwas höher ist als der von Tetrachlorethen (Abbildung 2). Damit ist TBA mittels Bodenluftabsaugung in der ungesättigten Zone sanierbar.
- Prozesse der Adsorption sind bei Ausbreitung von TBA vernachlässigbar (Abbildung 3).
- Aufgrund des niedrigen KOW-Wertes ist TBA nicht lipophil, tendiert nicht zur Bioakkumulation und reichert sich somit nicht in der Nahrungskette an.
- Da TBA vollkommen mischbar mit Wasser ist, kann sich keine eigenständige TBA-Phase im Wasser bilden. Insofern ist die Dichte für das Verhalten von TBA im Grundwasser nicht von Bedeutung.
- Aufgrund der niedrigen Henry Konstanten entgast TBA nicht aus dem Grundwasser in die Sickerzone, so dass Verminderungen der TBA-Gehalte durch diesen Prozess nicht zu erwarten sind (Abbildung 4).
- Das Ausbreitungsverhalten von TBA wird in starkem Maße durch die unbegrenzte Wasserlöslichkeit gesteuert (Abbildung 5). TBA verhält sich wie ein idealer Tracer und breitet sich gemäß den vorliegenden Grundwasserströmungen aus.
Grundsätzlich ist zu berücksichtigen, dass für das Auftreten von TBA im Grundwasser zwei verschiedene Ursachen infrage kommen. TBA kann einerseits als primärer Anteil von Benzinen bei deren Versickerungen in den Untergrund gelangen und andererseits als Abbauprodukt von MTBE im Grundwasser entstehen. Das Verhalten von TBA aus diesen beiden Entstehungsmöglichkeiten wird nachfolgend beschrieben.
- Bei der Versickerung von TBA-haltigen Benzinen ist TBA zunächst mit den anderen Benzinbestandteilen gemischt und es liegt eine Benzin-TBA-Mischphase vor. Eine erste Differenzierung der Mischphase tritt dann zunächst in der Sickerzone ein, indem TBA aufgrund seines Dampfdruckes einen Gasphasenkörper in der Sickerzone ausbildet [5]. Eine zweite Differenzierung erfolgt über den Sickerwasserpfad, indem das Sickerwasser deutlich höhere TBA- als BTEX-Gehalte führt und TBA bei entsprechendem TBA-Vorrat in der Sickerzone somit als in Wasser gelöst in das Grundwasser transportiert wird. Gelangt TBA als Benzin-TBA-Mischphase ins Grundwasser, so findet die dritte Differenzierung statt, da TBA wesentlich besser löslich ist als die BTEX.
Für TBA, das aus TBA-haltigen Benzinen stammt oder im Grundwasser durch mikrobiellen MTBE-Abbau entstand gilt folgendes:
- TBA migriert im Grundwasser aufgrund seinerhohen Löslichkeit und seines gering ausgeprägten
Adsorptionsverhaltens signifikant schneller als die BTEX und verhält sich wie ein idealer Tracer (Abbildung 3). - Die weitere Ausbreitung von TBA im Aquifer hängt in starkem Maße davon ab, ob mikrobielle Abbauprozesse von TBA einsetzen oder nicht.
- Die Ausbreitung des TBA wird aufgrund seiner sehr ausgeprägten Mobilität stärker durch die hydrogeologischen Verhältnisse des jeweiligen Aquifers gesteuert als es bei schlecht löslichen Stoffen der Fall ist. TBA breitet sich entsprechend den existierenden Strömungsverhältnissen aus.
- Da Retardierungsprozesse für TBA nur von untergeordneter Bedeutung sind, wird das Schicksal des TBA durch die mikrobiellen Prozesse des jeweiligen Aquifers bestimmt.Naturgemäß können auch Überlagerungen der o. g. Bildungsmöglichkeiten von TBA vorliegen.
Bei größeren TBA-Schadensfällen ist zu beachten, dass TBA auf andere organische Verbindungen lösungsvermittelnd wirkt, d. h. die gelöste Masse anderer organischer Inhaltsstoffe wird erhöht. Für die BTEX ist diese Wirkung bei höheren TBA-Gehalten von über 1 Prozent zu erwarten. In diesem Kontext ist von Interesse, dass TBA in den USA als Lösungsvermittler für Co-solvent-flushing-Projekte [6] eingesetzt wurde (1). Nach in Nordamerika durchgeführten Untersuchungen können die TBA-Konzentrationen im Grundwasser höher sein als die des MTBE. Dabei zeigen einige Untersuchungen, dass dies für die Mehrzahl der untersuchten Fälle zutrifft (2).
Das vorstehend beschriebene Verhalten von TBA in Boden und Grundwasser kann durch Felderfahrungen ergänzt werden. Danach kann TBA mehrere km lange Kontaminationsfahnen bilden. Die MTBE : TBA-Verhältnisse der untersuchten Grundwasserproben
liegen häufig in der Größenordnung von 0,5 bis 0,8. Danach liegen die TBA-Konzentrationen oft nur geringfügig unter denen des MTBE. Bei einem Teil der Sanierungsvorhaben ist zu beobachten, dass in den nahe den Schadenherden gelegenen Teilgebieten kein oder nur ein unbedeutender Abbau von TBA [7] zu beobachten ist. Dieser fehlende mikrobielle Abbau deutet darauf hin, dass effiziente Abbauvorgänge von TBA und MTBE in den Fahnenbereichen, in denen leichter abbaubare Verbindungen [8] vorliegen, nicht stattfinden. Auch bei einer Kontaminationsfahne, deren Quellbereiche als sog. Mischkontaminationen [9] („mingled contamina-tions") anzusprechen sind, fehlt ein nennenswerter mikrobieller TBA-Abbau.
Eine weitere Erklärung für die fehlende Biodegradation von TBA nahe den Eintragsstellen ist darin zu sehen, dass in diesen Zonen reduzierende Bedingungen vorliegen. Ursache hierfür ist die Sauerstoffzehrung, die durch mikrobielle Abbauvorgänge von aerob abbaubaren Substraten hervorgerufen wird. In den Kontaminationsfahnen treten stark reduzierende Bedingungen auf, die durch die Existenz von höheren Methangehalten und Schwefelwasserstoff zu charakterisieren sind. Die reduzierenden Bedingungen reichen in einem Fall bis zur Fahnenfront und ein mikrobieller Abbau ist nicht nachweisbar.
4. Sanierung TBA-haltiger Grundwässer
Theoretisch sind eine Reihe verschiedener Verfahren für die Reinigung TBA-haltiger Grundwässer zu bewerten. Dabei ist eine Strukturierung der Verfahren nach der Abbildung 6 sinnvoll. Grundsätzlich kann demnach zwischen Pump-and-Treat-Verfahren und anderen Verfahren (hier: Alternativ-Verfahren) unterschieden werden. Bei Pump-and-Treat-Verfahren gibt es verschiedene Techniken, die zur Reinigung des zu fördernden Grundwassers eingesetzt werden können. Den Pump-and-Treat-Verfahren stehen jedoch interessante Alternativen gegenüber.
Pump-and-Treat-Verfahren
Im Hinblick auf die Sanierung TBA-haltiger Grundwässer dürfte bei der Mehrzahl der Sanierungsprojekte MTBE als wesentliche Begleitkomponente des TBA auftreten. Die Mehrzahl der MTBE-Grundwasserschäden wird durch Pump-and-Treat-Verfahren behandelt, wobei als Reinigungsverfahren i. d. R. das Desorptionsver-fahren (Stripen) zum Einsatz kommt (3). Aufgrund der im Vergleich zu MTBE um ca. den Faktor 40 niedrigeren Henry Konstante ist TBA nur sehr schlecht stripbar. Dies wird durch die bei laufenden Sanierungsvorhaben gewonnenen Erkenntnisse bestätigt. Während MTBE bei Zulaufwerten zu den Reinigungsanlagen von ca. 2.000 Mg/1 durch die Anwendung eines Luft-Wasser-Verhältnisses von ca. 250:1 mit einer Stripkolonne zu ca. 95 % entfernt werden kann, liegt der Wirkungsgrad für TBA unter den gleichen Bedingungen in der Größenordnung von nur 10 %. Damit scheidet der Einsatz von Stripanlagen zur Reinigung TBA-haltiger Grundwässer weitestgehend aus.
Auch eine Reinigung von TBA mittels Aktivkohle besitzt aufgrund der Mischbarkeit von TBA mit Wasser von vorne herein keine Aussicht auf Erfolg. Dies wurde durch praktische Versuche bestätigt und die Adsorption von TBA auf Wasseraktivkohle liegt bei einer TBA- Zulaufkonzentration von ca. 100 µg/1 deutlich unter 0,1 Gew. %. Damit scheiden die zur Grundwasserreinigung am häufigsten eingesetzten Verfahren aus.

Abbildung 6
Sowohl das Adsorberharzverfahren als auch das MPPE-Verfahren [10] wurden bei praktischen Anwendungsfällen getestet. Die Ergebnisse dieser Reinigungsversuche können derart zusammengefasst werden, dass beide Verfahren nicht für die Abreinigung von TBA eingesetzt werden können. Bei beiden Verfahren sind die erreichbaren Beladungskapazitäten der Harze (Adsorberharzverfahren) bzw. des Extraktionsmittels (MPPE-Verfahren) zu niedrig.
In den USA zur Reinigung MTBE-haltiger Grundwässer durchgeführte Reinigungsversuche mit dem Eltrondec-Verfahren [11] zeigen, dass zwar MTBE mit einer Rate von 99 % eliminierbar ist, TBA aber nicht befriedigend entfernt werden kann. Ähnliches gilt für nassoxidative Verfahren unter Verwendung von Wasserstoffperoxid oder Ozon (4).
Zusammenfassend bietet sich als eigenständiges Reinigungsverfahren für TBA bei Pump-and-Treat-Pro-jekten ausschließlich ein biologisches Verfahren an. Grundsätzlich ist TBA unter aeroben Bedingungen abbaubar. Bei der Anwendung eines biologischen Verfahrens wirken sich die oft nur vergleichsweise niedrigen TBA-Konzentrationen [12] jedoch nachteilig aus, da das Bakterienwachstum i. d. R. höhere Konzentrationen der zu verwertenden Substanz voraussetzt. Schlussfolgernd ist zwar die Anwendung mikrobieller Verfahren denkbar, ein Einsatz aber aufgrund der zu niedrigen Substratgehalte in den meisten Fällen unwahrscheinlich. Darüber hinaus entstehen bei dieser Konstellation oft sehr hohe Kosten, die dann nicht mehr im Verhältnis zu den erzielbaren Erfolgen stehen.
Alternativ-Verfahren zu Pump-and-Treat
Das Verfahren des In-Situ-Striping ist für TBA aufgrund der niedrigen Henry Konstante grundsätzlich nicht effizient anwendbar. Für eine Beurteilung von In-Situ-Oxidation und Phytoremediation liegen keinerlei Praxiserfahrungen vor, eine mögliche Anwendung wird jedoch als unwahrscheinlich erachtet. Auch zur Beurteilung von Monitored Natural Attenuation (MNA) fehlen die Praxiserfahrungen. Hier scheint jedoch eine Anwendung unter der Voraussetzung möglich, dass der biologische Abbau im natürlichen Reaktionsraum vollständig abläuft und keine persistenten intermediären Abbauprodukte gebildet werden. Da die Prozesse des natürlichen Rückhalts bei TBA nur von untergeordneter Bedeutung sind, ist bei der Anwendung von MNA jedoch der Nachweis zu führen, dass ausschließlich der biologische Abbau zu einem vollständigen Konzentrationsabbau führt.
Zusammenfassend bestehen auch bei den Alternativ-Verfahren die besten Voraussetzungen bei der biologischen Methode (biologische In-Situ-Sanierung). Aus der USA-Literatur sind Fälle beschrieben, bei denen durch mikrobiologische In-Situ-Sanierungen gute Sanierungserfolge bei MTBE und TBA erzielt werden konnten (sog. Biobarriere Systeme (5)). Jedoch gibt es bisher in Deutschland zu geringe Praxiserfahrungen, um eine fundierte Bewertung der In-Situ-Techniken Anwendung dieser Methoden ein Schwerpunkt des Sanierungsvorhabens vornehmen zu können. In jedem Falle wäre bei der auf die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zu legen.
Zusammenfassend bietet sich kein Verfahren zur Reinigung von TBA-haltigem Grundwasser an und es ist in jedem Einzelfall zu entscheiden, ob der Weg über die biologischen Verfahren sinnvoll ist.
5. Resumee
Ein wichtiges Resultat des beschriebenen Verhaltens von TBA im Grundwasser ist darin zu sehen, dass BTEX + MTBE + TBA in den zentralen Gebieten der Kontaminationsfahnen vorliegen. Dagegen treten in den Bereichen der Fahnenfronten nur noch MTBE und TBA auf. Die Gründe dieser Stoffseparation bestehen einerseits in dem mobilen Migrationsverhalten von MTBE und TBA sowie andererseits in dem bevorzugten Abbau der BTEX in der Kontaminationsfahne. Obwohl TBA als biologisch recht gut abbaubar eingestuft wird, kann dies für die beschriebenen Sanierungsprojekte nicht bestätigt werden. Hierbei sind die reduzierenden Milieubedingungen aller Grundwasserschadensfälle zu berücksichtigen. In den Fällen, in denen Mischkontaminationen auftreten bzw. reduzierende Bedingungen vorliegen, ist kein nennenswerter TBA-Abbau nachzuweisen. Hier stellt sich die Frage, ob bei einer weiteren Ausbreitung der Fahnen der TBA-Abbau einsetzen würde. Dies ist jedoch in dieser Form nicht zu beantworten, da die weitere Ausbreitung der Fahnen durch die Ergreifung von Sicherungsmaßnahmen unterbunden wird.
Das Ausbreitungsverhalten im Grundwasser wird bei den außergewöhnlich mobilen Kontaminanten MTBE und TBA sehr stark durch die hydrogeologischen Bedingungen und insbesondere durch die existierenden Grundwasserströmungen geprägt. Abiotische Vorgänge wie Sorption, Verflüchtigung und chemischer Abbau sind von untergeordneter Bedeutung. Ein Unterschied des Migrationsverhaltens von MTBE und TBA könnte darin bestehen, dass TBA unter aeroben Verhältnissen besser abbaubar ist als MTBE. Bei diesen Gegebenheiten wäre die Ausbreitung von MTBE eher durch Dispersion und die Migration von TBA eher durch mikrobiologische Prozesse kontrolliert. Grundsätzlich stellt sich bei TBA-Grundwasserschäden die Frage, ob eine Sanierung der Schadenzentren oder der Kontaminationsfahnen durchgeführt wird (oder beides). Die Entscheidung hierüber ist nur einzelfallspezifisch zu treffen und richtet sich nach den Konzentrationen der Begleitstoffe und der Gefährdung, die von dem jeweiligen Grundwasserschaden ausgeht. Darüber hinaus spielen hier auch unterschiedliche Sichtweisen der Behörden der Bundesländer eine Rolle. So liegt der Schwerpunkt der Sanierungsaktivitäten in Baden-Württemberg mehr auf der Seite der Schadenherde, wogegen beispielsweise in Nordrhein-Westfalen in stärkerem Maße den Kontaminationsfahnen Aufmerksamkeit geschenkt wird. Derzeit gibt es in Deutschland für das Grundwasser noch keine Auslösewerte für TBA-Sanierungen, wobei bei TBA-Sanierungsvorhaben in der Regel BTEX und MTBE als Begleitkomponenten in den Schadenzentren auftreten und MTBE als weitere Kontaminante an den Fahnenfronten zu finden ist. Die Geringfügigkeitsschwelle für MTBE liegt bei 15 µg/1 [13]. In den USA bestehen in verschiedenen Staaten Vorgaben für TBA. So liegt der „Action Level" [14] in Kalifornien bei 12 µg/1 (6).
Da TBA zwar über einen vergleichsweise niedrigen, aber dennoch merklichen Dampfdruck verfügt (ca. 40 hPa bei 20°C) ist einerseits die Detektion von TBA-Eintragsstellen bei der Versickerung TBA-haltiger Benzine mittels Bodenluftuntersuchungen möglich. Auch die gebietsmäßige Verteilung der übrigen zu betrachtenden Benzininhaltsstoffe [15] kann gut mit dieser Methode kartiert werden. Die Bodenluftsanierung ist bei TBA-Schäden in der Sickerzone effektiv einsetzbar, wobei die Reinigung der TBA-Gehalte in der Bodenluft im Einzelfall zu klären ist. Da auch die umweltrelevanten Benzininhaltsstoffe mit dieser Technik aus der Sickerzone entfernt werden können, stellt dieses Verfahren zur Sanierung der Schadenzentren eine interessante Option dar. Zur Reinigung der TBA-haltigen Bodenluft bietet sich in erster Linie eine katalytische Verbrennungsanlage an.
Bei der Sanierung von Grundwasserschäden, bei denen TBA als Kontaminant auftritt, handelt es sich grundsätzlich um Fälle bei denen schadenherdnah zusätzlich BTEX und MTBE und an der Fahnenfront mit auftreten [16]. Insofern handelt es sich um Sanierungsprojekte, bei denen die Reinigung ver-schiedender Stoffe umzusetzen ist. Das in der Praxis am häufigsten angewandte Verfahren ist Pump-and-Treat, wobei als Reinigungsverfahren fast ausschließlich die Desorption (Stripung) eingesetzt wird. Während BTEX und MTBE effektiv aus dem Grundwasser entfernbar sind kann TBA weder mit der Striptechnik noch mit anderen chemisch-physikalischen Reinigungsverfahren befriedigend aus dem Grundwasser eliminiert werden [17]. Da TBA aerob als recht gut abbaubar eingestuft wird, bieten hier ausschließlich biologische Verfahren Möglichkeiten zur effektiven TBA-Reinigung [18]. Ob die für die anderen Kontaminanten notwendige Stripstufe durch eine biologische Stufe ergänzt wird, ist einzelfallspezifisch zu entscheiden. In der Sanierungspraxis dürfte dieses Vorgehen vor dem Hintergrund des damit verbundenen technischen und finanziellen Aufwandes jedoch aus Gründen der Verhältnismäßigkeit oft nicht zum Tragen kommen.
Von den Kontaminanten mit im Vergleich zu MTBE und TBA niedrigeren Wasserlöslichkeiten, beispielsweise den LCKW, ist bekannt, dass die Sanierungszeiträume bei Pump-and-Treat-Projekten sehr lang sein können (unter Umständen mehrere Dekaden). Die am längsten heute noch in Betrieb befindlichen LCKW-Pump-and-Treat-Sanierungen wurden vor ca. 25 Jahren begonnen und ein Ende ist bei einigen Fällen mit großen LCKW-Phasenreservoirs heute noch nicht absehbar. Es ist davon auszugehen, dass sich MTBE und TBA nicht annähernd so persistent verhalten wer-den. Sanierungsprojekte mit Kontaminanten, die vergleichsweise ähnliche Wasserlöslichkeiten besitzen wie MTBE und TBA, z. B. Phenole und Chromate, konnten in einigen Jahren durch Pump-and-Treat-Maßnah-men saniert werden.
Im Hinblick auf die von TBA ausgehende Grundwassergefährdung ist die Länge der Kontaminationsfahnen von Interesse. Nach Feldbeobachtungen kann TBA einige km lange Kontaminationsfahnen bilden. Dies kann durch Beobachtungen an Schadenfällen in der BRD bestätigt werden.
Wie in den USA durchgeführte Untersuchungen weiterhin zeigen, entspricht das Ausmaß der Grundwasserverunreinigungen durch TBA in etwa dem von MTBE (7). Der Stand der anlagebezogenen Sicherheitstechnik [19] ist in Deutschland höher als in den USA, so dass das Kontaminationspotenzial in Deutschland entsprechend geringer ist. Andererseits verfolgen die Mineralölgesellschaften in den anglo-amerikanischen Ländern in stärkerem Maße eine Risk-Assessment-Strategie mit dem Ergebnis von eigeninitiativ durchgeführten Grundwasseruntersuchungen. Hierdurch werden vor dem Hintergrund der großen Mobilität von MTBE und TBA oft rechtzeitig Grundwasserverunreinigungen mit noch geringer Fahnenlänge erkannt. Naturgemäß können sich die in Deutschland vergleichsweise erst später und oft durch Zufälle detektierten Grundwasserschäden infolge des größeren Zeitraumes zwischen Schadenentstehung und Schadendetektion zu entsprechend längeren Kontaminationsfahnen entwickelt haben. Hierbei ist zusätzlich zu berücksichtigen, dass MTBE im Wasser geruchlich und geschmacklich in sehr niedrigen Konzentrationen durch den Menschen festgestellt wird und im „Worst Case" bei der Einnahme von Trinkwasser identifizierbar ist [20]. Da sowohl die Geruchs- als auch die Geschmacksschwellenwerte von TBA in Wasserproben deutlich höher liegen als die von MTBE, scheidet diese Art der Detektion von Grundwasserschäden für TBA weit gehend aus.
Aus der USA-Literatur ist bekannt, dass der Abbau von MTBE dazu führen kann, dass die TBA-Konzentrationen höher sind als die des MTBE. Hohe TBA-Werte sind insbesondere bei Schadstoffgemischen bzw. unter reduzierenden Bedingungen des Grundwassers zu erwarten. Schluss-folgernd kann TBA aufgrund seiner hohen Mobilität und bei fehlendem natürlichen Abbau in weitaus stärkerem Ausmaß zu einer Gefährdung von höherwertigen Schutzgütern führen als die BTEX (z. B. Trinkwasserversorgungsanlagen). In diesem Kontext wären Erhebungen über TBA-Schadensfälle von Interesse, bei denen in den Kontaminationsfahnen ein Wechsel von reduzierenden zu aeroben Verhältnissen gegeben ist und ob unter diesen Bedingungen ein aerober Abbau von TBA stattfindet.
Erläuterungen
[1] Sauerstoffhaltige Verbindungen
[2] Synonyme: TBA, Butanol, t-Butanol, tert. Butanol, tertiär-Butanol, Butyl Alkohol, t-Butyl-Alkohol, tert-Butyl Alkohol, Dimethylethanol, 1.1-Dimethylethanol, 2-Methyl-2-Propanol, Trimethylkarbinol, Trimethylmethanol
[3] EG Richtlinie 98/70 des Europäischen Rates vom 13. 10. 1998
[4] Diese Bedingungen sind aber selbst beim betriebsbedingten Umgang mit TBA oder TBA-haltigen Chemikalien auszu- schließen.
[5] in der ungesättigten Bodenzone entsteht somit ein Gasphasenkörper, der aus allen leichtflüchtigen Benzininhaltsstoffen besteht (Alkane, Alkene, BTEX, MTBE, TBA etc.)
[6] Sanierungsmethode zur Mobilisierung schwer sanierbarer organischer Kontaminanten durch In-Situ-Injektion von Lösungsvermittlern (DNAPL)
[7] auch bei MTBE ist kein mikrobieller Abbau festzustellen
[8] allgemein gut abbaubare Benzininhaltsstoffe (BTEX, leichtflüchtige Alkane und Alkene)
[9] Grundwasserschäden mit einer Mischung verschiedener Grundwasserinhaltsstoffe, z. B. BTEX + PAK + Phenole + MTBE + TBA
[10] Nach dem Prinzip der flüssig-flüssig-Extraktion arbeitendes Verfahren der Firma AKZO NOBEL
[11] Bei dem Eltrondec-Verfahren wird Wasser mit Elektronen bestrahlt. Hierdurch entstehen Radikale die wiederum die organischen Inhaltsstoffe zerstören
[12] Im Vergleich zu den übrigen Kontaminanten
[l 3] Empfehlungen Landesamt für Umweltschutz Baden-Württemberg und LAWA
[14] gesundheitsbezogene Richtwerte für Trinkwässer bzw. Grund wässer, die zur Trinkwassergewinnung genutzt werden
[15] MTBE und BTEX
[16] mit der Ausnahme von Schadenfällen in Gebieten der TBA-Produzenten
[17] bei sachgerechter Auslegung der Stripanlage
[18] Reaktoren bei Pump-and-Treat-Verfahren sowie mikrobiologische In-Situ-Sanierungen
[19] Tankbehälter und Rohrleitungen
[20] TBA wird nur sehr schlecht auf Aktivkohle adsorbiert und ist durch ggfs. vorhandene Aktivkohlefilter von Trinkwassergewinnungsanlagen kaum aus dem Wasser entfernbar. Hinzu kommt, dass viele Trinkwassergewinnungsanlagen nicht mit Aktivkohlefiltern ausgestattet sind
Literaturverzeichnis
(1) Anason, S. L. (1999): Cost-Benefit Analysis of Cosolvent Flushing to Treat Groundwater Contamination Source Areas, Air Force Inst of Tech Wright-Patterson School of Engineering, Report Number: A147163, 138 pp, MAR 1999
(2) Kolhatkar, R. (2002): TBA - Occurrence and Sources, Oxygenates, Workshop, Costa Mesa, August 19, 2003, 26 pp
(3) Stupp, H. D., Bakenhus, A., Stauffer, R. und Lorenz, D. (2004): Verfahren zur Reinigung von mit MTBE verunreinigtem Grundwasser unter Einbeziehung der Kosten zur Sanierung Altlastenspektrum, 03/2004, S. 134 - 148
(4) EPA/600/R-02/066 (2002): High Energy Electron Injection (E- Beam) Technology for the Ex-Situ-Treatment of MTBE- Contaminated Groundwater, By: Tetra Tech EM Inc., San Diego, California, 92101, EPA Contract No. 68-C-00-181, Task Order No. 15
(5) Miller, K.D., Johnson, P.C. und Bruce, C.L. (2003): Large-Scale In-Situ MTBE Biobarrier Demonstration at Port Hueneme, CA - First European Conference on MTBE, Eigenverlag des Forums für Abfallwirtschaft und Altlasten e. V., Conference Proceedings, pp 80-87
(6) Internet:http://www.dhs.ca.gov/ps/ddwem/chemicals/mcl/u nregulated.htm
(7) Internet: http://eces.org/articles/000739.php
Anschrift der Autoren:
Hans Dieter Stupp, Albrecht Bakenhus und Ralph Stauffer:
Dr. Stupp Consulting GmbH
Hauptstraße 206, 51469 Bergisch Gladbach
Tel.: 02202-2809-11, Fax.: 02202-2809-28
E-Mail: info@dscweb.de
Homepage: www.dscweb.de
Domainpages: www.grundwassersanierung.de
www.sanierungsverfahren.de
www.mtbe.de
Dietmar Lorenz:
Hydroservices
Froschkönigweg 13, 45665 Recklinghausen
Tel.: 02361-41974, Fax.: 02361-494175
E-Mail: d.lorenz@hydroservices .de
Homepage: www.hydroservices.de
Domainpages: www.grundwassersanierung..de